Das Unterwerk Bingen



Text und Fotos: M. Ruch

Das Unterwerk Bingen dient der Transformierung des Bahnstromes (Wechselstrom mit der Sonderfrequenz 16,7 Hz) vom Spannungsniveau der Bahnstromfernleitungen (110 kV) auf das Spannungsniveau der Oberleitungen (15 kV). Hierzu sind drei Transformatoren (in der Energietechnik Umspanner genannt) installiert sowie die zugehörigen Schaltanlagen für die 110-kV-Anbindung (Freiluftanlage) und die 15-kV-Versorgung (Innenraumanlage) der einzelnen Oberleitungsabzweige.

Das Unterwerk versorgt sowohl die linke Rheinstrecke mit einer Einspeisung bei Bingen-Kempten als auch über entsprechende Leitungs- und Kabelwege die rechte Rheinstrecke mit der Oberleitungseinspeisung bei Geisenheim.
Zusätzlich sollte das Unterwerk auch die Rhein-Nahe-Bahn über eine Einspeisung bei Ockenheim versorgen. Uw Bingen

Mittels einer weiteren Verteileranlage (Schaltposten) bei Bad Münster am Stein wäre auch die Alsenztalbahn bei einer eventuellen Elektrifizierung zu versogen gewesen.  

Eine Übersicht der Anlage zeigt dieses Bild (bitte anklicken):    

Kurios ist die Lage des Unterwerks Bingen an der nicht elektrifizierten Strecke Bingen Stadt - Büdesheim-Dromersheim. Diese Lage ergab sich durch die vorgesehene und  oben beschriebene, geplante Versorgung sowohl der Rheinstrecken als auch der Rhein-Nahe-Bahn, deren Verbindung die Strecke Bingen Stadt - Büdesheim-Dromersheim darstellt, wie auch diese Übersicht von google-maps darstellt:


Größere Kartenansicht


Das Werk wurde 1958 in Betrieb genommen und versieht bis heute (2009) seinen  Dienst.

Im Inneren ist der Zeitgeist der 1950er Jahre noch zu spüren:




Aufgang zur Schaltwarte





Blick aus der Warte auf die 110-kV-Schaltanlage





Die Mosaikschalttafel der Oberleitungseinspeisungen und der Oberleitungsmastschalter (heute außer Betrieb, da die Anlage ferngesteuert wird)





Die Innenraumschaltanlage auf der 15-kV-Ebene




Ein Blick auf die Anlage von außen





Die Aufführungen der 15-kV-Speiseleitungen für die rechte und linke Rheinstrecke am Unterwerk





Die nicht elektrifizierte Strecke Bingen Stadt - Büdesheim-Dromersheim mit den 15-kV-Speiseleitungen vom Unterwerk zu den Einspeisungen in Bingen-Kempten und Geisenheim





Nochmals die "Energietrasse" entlang der Dieselstrecke. Im Vordergrund die Brücken über die BAB 60 für die Hauptstrecke und (links) für das Uw-Anschlussgleis





Kurz vor bevor die Strecke von Büdesheim-Dromersheim in Parallellage zur linken Rheinstrecke übergeht, gehen die Speisefreileitungen der rechten Rheinstrecke wieder in Kabel über, die unter dem Rhein verlaufen. Die Kabelaufführungen sieht man am linken Mast sowie an dem Mast im Vordergrund. Ganz links am Bildrand die Leuchten des nie benutzten Anschlusses Globus im Gewerbegebiet Bingen-Kempten.