Die Hindenburgbrücke und ihre Zulaufstrecken



Text: Horst Heinrich

In den 20er Jahren wollte die Reichsbahn vom beginnenden Autoboom und dem Rheintourismus profitieren, also öffnete sie die Hindenburgbrücke für den Kfz-Verkehr. Die Binger und Rüdesheimer Fährleute jedoch strengten einen Prozeß gegen die Bahn an und wurden hierbei vom Verkehrsreferenten im preußischen Handelsministerium, Regierungsrat Paul Milatz unterstützt, der die Auffassung vertrat, das jahrhundertealte verbriefte Fährrecht dürfe nicht von der erste 100 Jahre alten Bahn unterlaufen werden - und das auch noch ohne Rechtsgrundlage. Nach fast vierjähriger Prozeßdauer verlor die Reichsbahn das Verfahren 1930 und mußte den Brückenverkehr für Autos wieder einstellen.
Aus Dankbarkeit benannten die Binger dann eine Personenfähre nach ihrem Fürsprecher. Die "Regierungsrat Paul Milatz" fuhr noch in den 70er Jahren und war in Bingen stationiert.
In den Brückentürmen übrigens betrieben Winzer bis in die Kriegszeiten hinein
noch Weinausschank, wie mein Vater (Jahrgang 1924) berichtete. Und manch eine großzügig geplante Rheingauwanderung fand dann schon im Kempter Brückenturm ihr feuchtfröhliches vorzeitiges Ende. Für den Heimweg nahm man dann den Zug ab Gaulsheim. Denn interessanterweise hielten seinerzeit am Bf Kempten nur die Züge der Bahnstrecke Bingen-Alzey.



Eine Gesamtansicht der Hindenburgbrücke aus den 1930er Jahren:






Die Neubaustrecke 1914:





Text und Fotos: Markus Göttert