Die Alsenztalbahn in den 1980er Jahren



Text, Abbildung und Fotos: Dr. Frank Halter



Ein Blick auf die Streckenkarte verdeutlicht die Geographie dieser Linie. Die in einem 1865 zwischen Preußen und Bayern – beide Staaten berührten sich zwischen Eberburg (bayerisch) und Bad Münster am Stein (preußisch) – geschlossenen Staatsvertrag projektierte und 1871 eröffnete Verbindung von der Pfalz an den Rhein durchquert das Nordpfälzer Bergland entklang dem namensgebenden Fluss Alsenz. Eine Besonderheit stellt die in zwei Varianten erfolgte Streckenführung von Enkenbach nach Hochspeyer und von dort über die Hauptstrecke Neustadt (Weinstrasse) – Kaiserlautern weiter in die Barbarossastadt oder über den 1875 eröffneten Verlauf über Eselsfürth und Kaiserslautern West. Leider verfüge ich im südlichen Streckenabschnitt über keine historischen Aufnahmen, der Schwerpunkt meiner Bilder aus der Mitte der achtziger Jahre
liegt zwischen Ebernburg und Imsweiler. Bildergänzungen sind natürlich gerne gesehen!

Zu der Zeit, als ich mit der Kamera das Alsenztal unsicher machte, dominierten dort noch 212, 218 und 515, die Dieselloks vom Bw Kaiserslautern, die ETA’s , die zum Fahrzeugtausch mit der Glan – und Lautertalbahn dort verkehrten, vom Bw Worms. Kaiserslautern verfügte noch über eine Handvoll altroter V 100, die ein begehrtestes Ziel darstellten, sowie über die geschlossene Nummernreihe 218 361 bis 388, die sich bis einschließlich 218 375 ebenfalls noch in altrot zeigten. Die Maschinen stammten aus der Werksanlieferung, währenddessen wurde das Farbkonzept auf beige – türkis umgestellt (interessanterweise gab es aber schon niedrigere Nummern in beige- türkis, die wohl aus einem anderen Baulos stammten). Ende der achtziger fielen noch 218 361, 363 und 365 in den blaubeigen Farbtopf, ehe dann in großem Stil die wenig widerstandsfähige neurote Latzvariante um sich griff. Neben „historischem“ Fahrzeugmaterial bestach die zweigleisige Alsenzbahn auch noch über eine herrliche Infrastruktur mit Schrankenposten urigster Gestaltung, von denen auch einige zu sehen sein werden. Von der alten Herrlichkeit ist kaum noch etwas übrig geblieben, eine erneute Fotoexkursion im letzten Sommer zeigte in erschreckendem Maße, wie die Vegetation um sich greift und ehemalige Topmotive nahezu eliminiert. Tauchen wir also ein in eine Zeit unverfälschter Bundesbahn:



Am 3.6.86 überqueren 515 535 + 815 603 als E 3263 mit der Nahe die ehemals preußisch-bayerische Staatsgrenze bei Bad Münster. der Grenzbahnhof Ebernburg verfügte über ausgedehnete Lokbehandlungsanlagen, die auf alten Postkarten noch erkennbar sind.



Am Südende diese Bahnhofs passiert 218 364 am 12.12.84 ein heute in Privatbesitz befindliches Stellwerk. „Insider“ werden sich vielleicht erinnern, dass an diesem Tag die Leerprobefahrt der 23 105 nach erfolgter Aufarbeitung im AW Kaiserslautern erfolgte, welche ebenfalls schon Thema hier im Forum war!.



Die älteste vorzeigbare Aufnahme dieser Serie zeigt 218 379 am 22.11.83 mit E 2129 zwischen Ebernburg und Altenbamberg .



Aus mehreren Veröffentlichungen ist der Ort Altenbamberg mit seiner gleichnamigen Burg vielen Eisenbahnfreunden bekannt. Auch hier wächst der Bahndamm kontinuierlich zu, am 12.11.89 war es aber noch möglich, 218 364 auf einer der Flussbrücken abzulichten. Altenbamberg verfügt übrigens heute noch über das einzige Form – Vor – und Hauptsignal der Strecke, welches die Aufgabe eines Deckungssignals für den platzbeschränkten Bahnhof erfüllt. Im Lok-Magazin März 2007 findet sich über dieses Signal übrigens ein kleiner Artikel.



Hier sehen wir nun die erste Kuriosität an Schrankenposten, den P 2214 in exponierter Hanglage, stets besetzt von einer freundlichen Schrankenwärterin. Am 25.4.88 beobachtet diese vorschriftgemäß 212 113 mit ihrer Üg 66260, einer heute nicht nur im Alsenztal verschwundenen Zuggattung.



In der Gegenrichtung passiert 218 363 den Posten am Abend des 8.7.84 mit dem E 3267. Wie alle Posten ist auch dieser mittlerweile abgerissen und der dazugehörige Bü geschlossen worden.



Langjährige Güterzug – Starleistung war der sog. „Opelzug“ mit Teilen vom Opelwerk Rüsselsheim nach Kaiserslautern. 218 364 hat am 2.5.90 die Ehre, bei der Fahrt mit dem 57506 durch Altenbamberg von der klassischen Stelle auf der Anhöhe fotografiert zu werden.



Eine weitläufigere Perspektive mit Blick auf Altenbaum – und Ebernburg sowie den zwischen Norheim und Bad Münster an der Nahebahn gelegenen Rotenfels zeigt 218 375 mit dem E 3270 am 16.8.87. Bei der Lok handelte es sich um höchste Seriennummer in altrot.

Manchmal gibt es Bilder, wo es mir schwer fällt, mich zwischen zwei gleichen Motiven zu entscheiden. Daher sollen weder die 218 – Doppeltraktion noch der ETA „hinten runter fallen“, sondern beide gezeigt werden:





Während am 1.7.86 der E 3269 von 218 377 + 218 368 in Richtung Altenbamberg befördert wird, freuen sich einen Tag zuvor ein 515 mit seinem Steuerwagen auf die vor ihnen liegenden Tage im Glan – und Lautertal (E 3274).



Ihre „Pfalzwoche“ hinter sich haben 515 535 + 815 603, als sie am 26.2.86 als E 3263 auf Altenbamberg zusteuern. Auch an dieser Stelle fällt es heute sogar schwer, einen der üblicherweise heute hier verkehrenden Talenttriebwagen ohne Gebüsch abzulichten.



Wenige Meter weiter nähern wir uns einer weiteren Rarität, dem idyllischen Posten 2211. Noch wird das „Gebäude“ von 260 029 und ihrer Übergabe nach Alsenz am 19.3.86 verdeckt.



Etwas mehr ist schon auf dem nächsten Bild zu sehen, wo 218 386 an der herrlichen spätsommerlichen Blütenpracht von P 2211 vorbeifährt. (27.9.85, E 3286)



Und hier steht er nun in voller Pracht: „Holzveranda“, ohne fließendes Wasser, ohne Strom, mit Kohlenofen. Einer der Postenwärter hat mir erzählt, dass man bei Dunkelheit mit einer batteriegespeisten Lichtquelle den Betrieb aufrechterhalten musste, im Winter, bis der Ofen frühmorgens heiß wurde, bei Eiseskälte. Arbeitsbedingungen bis kurz vor der Jahrtausendwende ...



Auch wenn meine mir bekannten Mitstreiter glauben mögen, ich hätte keine beige – türkisen V 100 fotografiert, nein, gelegentlich bin ich auch über meinen Schatten gesprungen. Diesem Umstand verdanken wir die Aufnahme von 212 239 nördlich von Hochstätten, entstanden am 17.8.85 vor dem E 3265.

Im zweiten Teil werden wir unsere Reise ab Hochstätten (Pfalz) fortsetzen, ich hoffe, es hat bis dahin gefallen!



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